Der Kreislauf der Freude

Ein Mann klopfte lautstark an die Klosterpforte.

Ein Mönch öffnete das große Tor.

„Diese Weintrauben sind die köstlichsten Trauben in meinem Weinberg, bitte sehr!“, sagte der Mann.

„Danke. Ich gebe sie dem Abt.“

„Aber, sie sind für Euch. Ihr habt mir die Tür geöffnet, bester Burder.“

Der Mönch bewunderte den ganzen Morgen die prächtigen Weintrauben und beschloss dennoch, sie dem Abt zu geben, da dieser ihn immer ermutigt.

Der Abt freute sich über die Trauben, aber entschied sich, die Trauben an den Koch, der ihn immer so gut versorgte, weiterzugeben.

Der Koch bewunderte die prächtigen Weintrauben, sie waren einfach perfekt. Und gerade der Küster würde diese Vollkommenheit zu schätzen wissen.

Der Küster wiederum war außerordentlich froh über das Geschenk. Aber er gönnte die Trauben dem Mönch, der ihn beim Eintritt in das Kloster so herzlich willkommen geheißen hatte.

Kurz bevor es Abend wurde, gab der Küster die Früchte dem Mönch an der Klosterpforte.

Der Mönch begriff, dass die Weintrauben wirklich für ihn bestimmt waren.

Und er genoss jede Weinbeere einzeln, während er über den Kreislauf der Freude nachdachte.

Das Glücksgefühl, das sie alle einander gegeben hatten, das Geschenk, das seine Runde vollendet hatte.

 

Verfasser unbekannt

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