Der Reparierer

Es war einmal ein Reparierer.

Er ging von Haus zu Haus, klopfte an und sagte: „Der Reparierer ist da! Habt ihr etwas zu reparieren?“

Und die Leute gaben ihm das, was zu reparieren war. Einer hatte einen Teller, der zerbrochen war, den klebte er zusammen, machte ihn wieder ganz. In einem Haus war vielleicht ein Tisch, der ein loses Bein hatte. Er schraubte das Bein wieder an den Tisch. Jemand hatte ein kaputtes Rad, das nicht mehr rollte, und er reparierte es.

Das war seine Arbeit. Das war seine Aufgabe auf Erden: Er brachte zusammen, was auseinander war – machte ganz, was zerbrochen war – er brachte in Ordnung, was kaputt war. Und überall, wo er hinkam und etwas reparierte, bekam er ein paar Münzen. Er bedankte sich und ging zum nächsten Haus.

Am Abend nach der Arbeit ging er nach Hause, und auf dem Weg kaufte er etwas zu essen und zu trinken und feierte zu Hause ein Fest. Und sein Fest war ein richtiges Fest, weil es so wichtig, sich über das Leben zu freuen und Gott (oder: der Quelle des Lebens / dem Grossen Geheimnis)zu danken.

So verbrachte der Reparierer seine Tage.

In derselben Stadt wohnte auch der König des Landes. Dieser König war etwas anders gelagert als der Reparierer.

Er brauchte immer zu wissen, dass es ihm besser ging als den anderen … und dann konnte er darüber froh sein. Also ging er oft in Verkleidung umher, schaute „Wo gibt es Menschen, denen es nicht gut geht, die nicht glücklich sind?“ Vielleicht war in einem Haus jemand krank, und seine Angehörigen machten sich Sorgen um ihn; oder jemand war gestorben, und seine Familie trauerte … und dann sagte er: „Ach, bin ich froh, dass es mir besser geht!“

Er brauchte immer das Unglück der anderen, um froh zu sein.

Eines Abends verkleidete sich der König wieder und ging in der Stadt umher. Er sah aus der Entfernung eine Hütte, eine ärmliche Hütte. Und er dachte sich: „Ah, da wohnt sicher ein armer Mensch und wird unglücklich sein über seine Armut und dann kann ich froh sein, dass es mir besser geht!“

Als er sich aber der Hütte näherte, sah er, dass da Licht brannte. Es brannten Kerzen drin. Als es näher kam, hörte er sogar Gesang und Tanzschritte. Er klopfte an die Tür und von Drinnen kam die Stimme des Reparierers: „Herein! Komm herein, wer immer du sein magst. Komm‘, feire mit!“

Der König konnte seinen Ohren und Augen kaum trauen. Da war einer in der Stube, der voll Freude tanzte und sang. Der König fragte den Reparierer: „Wie machst du’s, dass es dir so gut geht?“

„Ach, mein lieber Gast, ich bin Reparierer und verbringe meinen ganzen Tag mit meiner Arbeit. Die Leute geben mir ein paar Münzen, und am Abend mache ich ein Fest, um mich über das Leben zu freuen und Gott für den Tag zu danken.“

„Nur so?“

„Na ja“, sagte der Reparierer, „nicht nur so. Ich mach’s aus Freude und um Gott zu danken, weil genau das so wichtig ist!“

Der König konnte sich kaum hinsetzen, um zu essen und zu trinken, denn erstaunt und auch erbost war er, dass es einem ohne Grund so gut ging. Er verabschiedete sich bald, machte die Tür hinter sich zu, und während er zu seinem Palast ging, hörte er den Reparierer singen.

Also ging der König in seinen Palast. Er liess seinen Minister kommen und sagte: „Ich erlasse ein neues Gesetz! Ab morgen darf niemand mehr als Reparierer arbeiten. Wenn jemand mal etwas kaputt gemacht hat, kann er das selber reparieren, aber von Haus zu Haus als Reparierer zu gehen und sein Geld so zu verdienen, ist nicht erlaubt!“

Der Minister sagte: „Jawohl, Majestät!“

Am nächsten Morgen war das Gesetzt gültig. Und unser Reparierer hatte davon nichts mitbekommen. Er nahm seine Werkzeugkiste und machte dort weiter, wo er am Vortag stehen geblieben war mit seiner Runde.

Und als er sagte: „Der Reparierer ist da! Habt ihr etwas zu reparieren?“ , da sagten die Leute: „Hast du das nicht gehört? Unser König hat das Reparieren verboten.“

„Tatsächlich?“, sagte er, „Unser König hat das Reparieren verboten, ausgerechnet das Reparieren?“ Er verabschiedete sich und ging umher.

Er überlegte sich: „Wie kann ich mir heute mein Fest leisten? Was kann ich tun?“

Wie er so umher hing und überlegte, sah er, wie einer dabei war, einen Baum zu fällen. Er ging zu ihm hin und sagte: „Mein lieber Freund, Du bist viel zu vornehm, für so eine Arbeit, für so eine einfache Arbeit! Lass mich das machen! Ich mach’s schnell und gut und es kostet Dich auch gar nicht viel!“

Der Bauer war froh, Hilfe zu haben. Er übergab dem Reparierer die Axt. Dieser fällte den Baum, bekam ein paar Münzen, bedankte sich und zog zum nächsten Hof weiter und sagte: „Der Holzfäller ist da! Habt ihr einen Baum zu fällen?“ Und so verbrachte er seinen Tag. Nach Feierabend kaufte es sich auf dem Weg nach Hause etwas zu essen, etwas zu trinken, und feierte zu Hause ein Fest. Und sein Fest war ein richtiges Fest, weil es so wichtig, sich über das Leben zu freuen und Gott zu danken.

Und während er feierte, während er sang und tanzte, klopfte es an der Tür. „Ah, mein lieber Gast von gestern“, sagte er, „komm herein, iss, trink, feier mit!“

Der König, der konnte seinen Augen nicht trauen.

„Wie machst du’s , dass es dir so gut geht?“

„Ach, mein lieber Gast“, sagte der Reparierer, „heute war’s etwas schwierig, weisst du! Unser gute König hat nämlich das Reparieren verboten.“

„Ja, ja“, sagte der König, „das habe ich auch gehört. Und?…“

„Ich habe den ganzen Tag Bäume gefällt, damit ich mir heute das Fest leisten kann.“

Der König konnte das schwer aushalten. Er verabschiedete sich bald, während der Reparierer weiter sang und tanzte.

In seinem Palast liess der König den Minister kommen. „Ab morgen darf niemand mehr als Holzfäller arbeiten! Wer einen Baum fällen will, der kann das selber machen, aber so herumgehen und bei Leuten Bäume fällen, das ist nicht erlaubt!“

Jawohl, Majestät!“, sagte der Minister und am nächsten Morgen war das Gesetz bereits gültig.

Der Reparierer, nunmehr Holzfäller, klopfte beim nächsten Hof an und sagte: „Der Holzfäller ist da! Habt ihr einen Baum zu fällen?“

Und sie sagten: „Wir hätten schon, aber hast du nicht gehört?“

„Was, nicht gehört?“ –

„Ja, unser König hat das Holzfällen verboten. Wer einen Baum fällen will, der kann seinen eigenen Baum fällen, aber so von aussen kommen und gegen Geld Bäume fällen, das ist nicht mehr erlaubt.“

„Tatsächlich“, sagte der Reparierer, „also unser Gute König, wie kommt er bloss auf die Idee?“

Und so ging er umher mit der Axt über der Schulter und dachte sich: „Wie kann ich dafür sorgen, dass ich heute Abend feiern kann?“

Und als er so ging, sah er wie einer einen Stall ausmistete. Er lief zu ihm und sagte: „Lasse mich das machen! Ich mach das gut und schnell. Es kostet Sie auch nicht viel!“

Der Bauer war froh, Hilfe zu haben und so mistete der Reparierer den Stall aus, putzte alles blitz-blank und bekam ein paar Münzen. Dann ging er zum nächsten Hof klopfte an und sagte: „Der Stallausmister ist da! Habt ihr einen Stall zu putzen?“

So verbrachte er den ganzen Tag. Er mistete einen Stall nach dem andern aus, bekam überall einige Münzen, bedankte sich … und auf dem Heimweg kaufte er sich etwas zu essen und zu trinken und feierte zu Hause ein Fest. Und sein Fest war wirklich ein Fest! Weil es ist so wichtig, sich über das Leben zu freuen und Gott zu danken.

Während er feierte, klopfte es an der Tür.

Der König stand da. „Ach, mein lieber Gast, komm‘ herein, komm! Tanz mit mir, sing! Wir feiern zusammen!“

Der König fragte: „Wie machst du’s, dass es dir so gut geht?“

„Ja, heute war es mühsam. Unser gute König hat nämlich das Holzfällen verboten.“

„Und? Wie hast du’s heute gemacht?“

„Ich habe heute Ställe ausgemistet, einen Stall nach dem anderen, und so kann ich jetzt das Fest feiern.“

„Was machst du, wenn unser König das Stallausmisten auch verbieten sollte?“

„Was immer ich bekomme, kommt ohnehin von oben. Der König ist ein guter König. Er kann gut regieren, aber das, was wir zum Leben brauchen, das kommt doch nicht vom König. Das kommt von oben.“

„Ah, so, so!“, sagte der König. Er verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zum Palast, während der Reparierer sang und tanzte.

Im Palast angekommen, liess der König den Minister rufen und sagte: „Stallausmisten ist ab morgen verboten!“

„Jawohl, Majestät!“

Und am nächsten Morgen ging der Reparierer, dann Holzfäller, nun Stallausmister hinaus. Er hatte keine Werkzeugkiste dabei und auch keine Axt … er hatte jetzt einen Besen und eine Heugabel bei sich und einen Eimer.

Und ihr könnt euch schon denken, was er zu hören bekam: „Unser König hat das Stallausmisten verboten!“

„Tatsächlich, unser guter König … ausgerechnet das Stallausmisten!“

Er verabschiedete sich, ging in der Stadt umher und dachte sich: „Was kann ich machen, was der König unmöglich verbieten kann?“

Und als er so durch die Stadt ging, sah er, wie einige Soldaten – Wachsoldaten – ein Regierungsgebäude bewachten.

Er dachte sich: „Das ist es! Ich werde Soldat. Und weil ich nicht kämpfen will, werde ich Wachsoldat und ich bekomme auch ein Gebäude zu bewachen. Das kann ich den ganzen Tag tun und dann mein Fest am Abend feiern.“

Er ging in die Kaserne, liess sich zum General führen, stelle sich vor und sagte: „Ich möchte gerne als Wachsoldat in die Armee eintreten.“

Der General sagte: „Ja, einen guten Mann können wir immer gebrauchen. Lass dich einkleiden. Du kannst gleich beginnen.“

Der Reparierer sagte: „Ich habe aber eine Bitte, ich müsste täglich entlohnt werden. Das ist mir ganz wichtig.“

Der General meinte: „Es ist zwar nicht üblich, aber wenn es dir so wichtig ist, dann lässt sich das machen. Komm‘ am Abend zu mir und ich zahl‘ dir deinen Lohn aus.“

Der Reparierer bedankte sich, ging in die Kleiderkammer und bekam eine neue Hose, eine Jacke mit Pailletten, mit Goldfäden, mit Messingknöpfen, einen Ledergürtel und ein Schwert aus rostfreiem Stahl! So gekleidet bewachte er ein Gebäude, ging rauf und runter, rauf und runter, den ganzen Tag.

Am Abend ging er zum General. Der General sah ihn kommen und sagte: „Ah, da bist du ja!“, machte seine Schublade auf und zahlte ihm seinen Sold aus. Er bedankte sich und auf dem Heimweg kaufte es sich etwas zu essen und zu trinken und feierte zu Hause ein Fest. Und sein Fest war ein richtiges Fest, weil es so wichtig, sich über das Leben zu freuen und Gott zu danken.

Während er feierte, klopfte es an die Tür. Der König war da.

Der Reparierer rief: „Komm herein, mein lieber Gast! Tanz, sing, iss, trink! Wir feiern zusammen!“

Der König fragte: „Wie machst du’s, dass es dir so gut geht?“

„Ach, mein lieber Gast“ sagte er, „ich hab‘ mir überlegt, was kann ich machen, was der König unmöglich verbieten kann.“

„Ja und!?“

„Ja und … es steht vor dir ein Soldat seiner Majestät unseres Königs!“

„So, so“, sagte der König, „…. ja, aber die Soldaten, die werden doch monatlich entlohnt und nicht täglich!“

„Tja, ich habe eine Vereinbarung mit dem General. Ich gehe am Ende des Tage zu ihm und er bezahlt mir meine Sold.“

„Aha“, sagte der König, „so ist das also! Ja und… ja also… auf Wiedersehen, ich muss jetzt gehen!“

Er machte hinter sich die Tür zu. Er hörte noch, wie der Reparierer tanzte und sang und feierte.

Im Palast angekommen liess der König den General kommen: „Eine neue Verordnung: Es darf kein Soldat täglich entlohnt werden! Alle müssen warten, bis sie ihren Sold am Ende des Monats bekommen!“

Der General sagte: „Jawohl, Majestät!“

Am nächsten Morgen ging der Reparierer, dann Holzfäller, dann Stallausmister und nun Wachsoldat seiner Majestät zur Arbeit. Er ging den ganzen Tag rauf und runter, rauf und runter, bewachte das Gebäude und am Ende des Tages ging er zum General.

Der General, als er ihn sah,  meinte: „Ah, ich habe vergessen, dir Bescheid zu geben. Ich darf dich nicht entlohnen.“

„Ja, aber wir haben einen Vereinbarung!“

„Ja, aber der König hat befohlen, dass kein Soldat täglich entlohnt werden darf. Aber mach dir keine Sorgen. Du kommst zu mir am Ende des Monats und du bekommst deinen Sold, wie all die andern auch.“

Der Reparierer verabschiedete sich, machte sich auf den Heimweg und überlegte sich: „Wie kann ich heute das Fest feiern? Wie kann ich das?“

Während er ging und nachdachte, kam er an einem Pfandleiher vorbei. Und er dachte sich: „Wenn ich nur etwas hätte, das ich verpfänden könnte, dann würde ich mit dem Geld etwas zu essen und zu trinken kaufen und feiern!“

Da sah er sein Schwert! Und er dachte sich: „Dieses Schwert ist wertvoll, aber ich brauche es!“ Und er hatte eine Idee: „Ich könnte die Klinge abnehmen, und sie versetzen und zu Hause mache ich mir eine Klinge aus Holz. Dann klebe ich sie an den Griff… schliesslich bin ich ja Reparierer und ich weiss, wie man solche Sachen macht. Und keiner merkt etwas, weil das Schwert ja in der Scheide steckt.“

Gesagt, getan! Er ging in das Geschäft, verpfändete die Klinge aus rostfreiem Stahl, bekam Geld dafür, kaufte sich etwas zu essen und zu trinken, ging nach Hause und feierte ein Fest. Und sein Fest war wirklich ein Fest, denn es so wichtig, sich über das Leben zu freuen und Gott zu danken.

Während er feierte, ass, trank, sang und tanzte, klopfte es an der Tür. Der König war da, und der Reparierer lud ihn ein, mitzufeiern.

Der König aber fragte: „Wie machst du’s, dass es dir so gut geht?“

„Ach, mein lieber Gast“ sagte er, „ich war heute nah am Verzweifeln, aber ich bin nicht verzweifelt und hatte eine gute Idee. Und so kann ich jetzt das Fest feiern.“

„Und“, fragte der König, „wie hast du das angestellt?“

Der Reparierer sagte: „Hm, das sag ich dir lieber nicht.“

Der König meinte: „Ich verspreche dir, ich werde es keinem erzählen! Mir kannst du’s doch sagen.“

„Also, wenn du’s keinem erzählst, sag ich’s dir.“

Und so erzählte der Reparierer, dass er die Stahlklinge verpfändet hat, um sich das Fest leisten zu können.

Der König verabschiedete sich recht bald, während der Reparierer weiter feierte.

Der König ging in seinen Palast und liess den obersten Richter kommen und fragte diesen: „Haben wir im Kerker jemanden, der zum Tode verurteilt ist?“

„Jawohl, Majestät! Wir haben einen Kriminellen, der hat eine furchtbare Tat begangen. Er wird geköpft.“

Dann liess der König den General kommen und sagte: „Ich möchte, dass ab morgen, wenn eine Exekution vorzunehmen ist, sie von dem Soldaten ausgeführt wird, der als letzter in die Armee eingetreten ist. „Jawohl“ sagte der General, salutierte und ging hinaus.

Am nächsten Morgen kam unser Freund, der Reparierer, dann Holzfäller, dann Stallausmister, nun Wachsoldat seiner Majestät zur Arbeit in seiner Uniform, mit seinem Holzschwert am Gürtel und er sah, dass sich auf beim Hauptplatz der Stadt viele Menschen versammelt hatten.

Auf einem Podium stand sein Chef, der General – neben dem Oberrichter und dem König. Er erkannte den König nicht in seinen königlichen Gewändern.

Man rief ihn und führte ihn zum Podium. Er bekam zu hören, dass er einen Mann köpfen sollte.

Er sagte: „Nein! Das kann ich nicht machen! Ich habe keinem je etwas zu Leide getan. Nein, nein! Ich bringe sicher niemanden um!“

Und er bekam zu hören: „Du bist Soldat und musst dem Befehl gehorchen!“ – „Ja, ja … aber was ist, wenn er diese Tat gar nicht begangen hat?“

Sie sagten: „Lass das nicht deine Sorge sein! Es wurde festgestellt, dass er die Tat begangen hat und darum wurde er auch zum Tode verurteilt.“

„Ja, ja, … aber selbst wenn er die Tat begangen hat, verdient er wirklich die Todesstrafe?“

„Ja“, sagten sie, “wir haben ein Strafgesetzbuch und da steht’s drinnen! Wer diese Tat begeht, der wird getötet.“

Und schon brachten sie den zum Tode Verurteilten her und sie liessen ihn hinknien.

Der Reparierer fing an zu beten. Er betete: „Lieber Gott! Hilf mir! Ich brauche Deine Hilfe! Wir feiern jeden Tag zusammen und ich habe Dich nicht um viel gebeten, aber jetzt brauche ich deine Hilfe! Bitte hilf mir!“

Und er fing an laut zu beten: „Lieber Gott!! Hilf mir!“

Und in diesem Augenblick hatte er eine zündende Idee.

Er sagte laut, so dass es alle hören könnten: „Lieber Gott! Lieber Gott, wenn dieser Mensch schuldig ist, wenn er die Todesstrafe verdient, so soll er durch mein Schwert sterben… Sollte er aber unschuldig sein oder die Todesstrafe nicht verdienen, so soll sich Stahl verwandeln in Holz!“

Mit einem Ruck zog er sein Schwert aus der Scheide und alle konnten sehen, dass das Schwert aus Holz war.

Erst war es lange still. Dann wurden die Stimmen der Menschen lauter und lauter … und alle wussten es: sie hatten ein Wunder erlebt!

Und sie schrien: „Ein Wunder, ein Wunder!“ Sie kamen auf ihn zu und hoben ihn hoch und trugen ihn auf ihren Schultern… und der König, der war der einzige, der wusste, worin dieses Wunder bestand.

Während der König all das beobachtete, wurde er ganz still.

Er winkte den Reparierer zu sich.

Als dieser vor ihm stand, schaute er ihm tief in die Augen. „Ich habe grossen Respekt vor dir! Heute sehe ich dich zum ersten Mal mit meinem Herzen. Ich bin der König… und ich bin auch derjenige, der dich in den letzten Nächten besucht hat. Wie konnte ich nur so blind sein und deine Grösse nicht erkennen. Gerne möchte ich dein wirklicher Freund sein und von dir lernen, wie man in Dankbarkeit und Freude lebt – jeden Tag aufs Neue. Ich lade dich ein, gemeinsam mit mir im Palast zu wohnen und mein Berater zu sein. Du kannst jedoch auch entscheiden, in deinem einfachen Zuhause zu bleiben und wieder als Reparierer zu arbeiten.“

Der Reparierer sah die Tränen in den Augen des Königs und meinte: „Ich danke dir für deine Freundschaft und dein Angebot. Doch am wohlsten wäre mir, wieder als Reparierer zu arbeiten. Natürlich bist du jederzeit als Freund bei mir willkommen, abends mit mir zu feiern und zu festen… und wenn es mir möglich ist, berate ich dich auch gerne.“

Und dann tanzten und sangen die zwei vor all den vielen Menschen… und seit diesem Tag wird in der Stadt so manches Fest gefeiert, wie nie zuvor.

 

jüdische Geschichte aus Afghanistan – via Rabbi Nachman von Bratzlaw auch bekannt als „The Wooden Sword“ / Version erzählt von Aron Saltiel (… leicht angepasst von Karin Jana Beck), gefunden auf www.stimmvolk.ch

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