Der rote Regenschirm

Als die Trockenheit schon, wie es schien, eine Ewigkeit andauerte, wusste die kleine Gemeinde von Bauern aus dem Mittelwesten nicht mehr, was sie tun sollte. Der Regen war nicht nur für die Ernte wichtig, sondern auch für das tägliche Leben der Dorfbewohner.

Als das Problem immer drängender wurde, beschloss die örtliche Gemeinde, sich einzuschalten. Eine Gebetsversammlung wurde einberufen, in der um Regen gebetet werden sollte. In Erinnerung an ein altes Ritual kamen die Leute ins Gemeindehaus.

Der Pastor beobachtete, wie immer mehr Gemeindemitglieder eintrafen. Sie plauderten fröhlich miteinander, während er von Gruppe zu Gruppe schlenderte und die einzelnen begrüßte und sich so langsam nach vorne arbeitete, um mit der Gebetsversammlung zu beginnen.

Vorne angekommen, überlegte der Pastor, wie er die Menge zum Schweigen bringen könnte. Als er gerade das Wort ergreifen wollte, fiel sein Blick auf ein elfjähriges Mädchen in der ersten Reihe. Sie strahlte vor Aufregung. Neben ihr lag ein roter Regenschirm für den Heimweg bereit.

Die Schönheit und Unschuld dieses Augenblicks brachte den Pastor zum Lächeln. Und er dachte über den Glauben dieses kleinen Mädchens nach, der sich so von dem der übrigen Menschen im Raum unterschied.

Denn die anderen waren gekommen, um für den Regen zu beten. Das Mädchen war gekommen, um Gottes Antwort mitzuerleben.

 

Tania Gray

weise-worte-147

Weitere Artikel