Die ungläubigen Raupen

Da war einmal ein guter Mensch.

Er hatte Mitleid mit dem hässlichen Gewürm der Raupen, wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten, um mühselig den Stängel zu erklettern und ihr Fressen zu suchen – keine Ahnung von der Sonne, dem Regenbogen in den Wolken, den Liedern der Nachtigall!

Und der Mensch dachte: „Wenn diese Raupen wüssten, was da einmal sein wird! Wenn diese Raupen ahnten, was ihnen als Schmetterling blühen wird! Sie würden ganz anders leben, froher, zuversichtlicher, mit mehr Hoffnung. Sie würden erkennen: Das Leben besteht nicht nur aus Fressen, und der Tod ist nicht das Letzte.“

So dachte der gute Mensch, und er wollte ihnen sagen: „Ihr werdet frei sein! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren! Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden! Und ihr werdet schön sein!“

Aber die Raupen hörten nicht.

Das Zukünftige, das Schmetterlingshafte ließ sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken.

Er versuchte, Vergleiche zu finden: „Es wird sein wie auf einem Feld voller Möhrenkraut… Und sie nickten, und mit ihrem Raupenhorizont dachten sie nur ans endlose Fressen.“

Nein, so ging es nicht.

Und als der gute Mensch neu anfing: „Euer Puppensarg ist nicht die letzte Station. Ihr werdet euch verwandeln. Über Nacht werden Euch Flügel wachsen. Ihr werdet leuchten wie Gold.“

Doch die Raupen sagten: „Hau ab! Du spinnst! Du hältst uns nur vom Fressen ab!“

Und sie rotteten sich zusammen, um ihn lächerlich zu machen.

 

Verfasser unbekannt

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