Ein Sack voll Federn

Ein Nachbar hatte über Herrn Maier schlecht geredet und die Gerüchte waren bis zu Herrn Maier vorgedrungen.

Herr Maier stellte seinen Nachbarn zur Rede.

„Ich werde es bestimmt nicht wieder tun“, versprach der Nachbar. „Ich nehme alles zurück, was ich über dich erzählt habe!“

Herr Maier sah ihn ernst an.

„Ich werde dir verzeihen“, erwiderte er. „Doch jede schlimme Tat verlangt ihre Sühne.“

„Ich bin gerne zu allem bereit“, antwortete der Nachbar reumütig.

Herr Maier ging in sein Schlafzimmer und kam mit einem großen Kopfkissen zurück.

„Trag dieses Kissen in dein Haus”, sagte er. „Dann schneide ein Loch in das Kissen und komm wieder zurück, indem du unterwegs immer einige Federn nach rechts, einige nach links verstreust. Das ist der erste Teil der Sühne!“

Nichts leichter als das, dachte der Nachbar und machte, wie ihm aufgetragen wurde. Als er wieder vor Herrn Maier stand und ihm die leere Kissenhülle überreichte, fragte er: „Und der zweite Teil meiner Buße?“

„Gehe jetzt wieder den Weg zu deinem Haus zurück und sammle alle Federn wieder ein!“

Der Nachbar stammelte verwirrt: „Ich kann doch unmöglich all die Federn wieder einsammeln! Ich streute sie wahllos aus, warf einige hierhin und einige dorthin. Inzwischen hat der Wind sie in alle Himmelsrichtungen getragen. Wie kann ich sie alle wieder einfangen, das ist unmöglich?!“

Herr Maier nickte ernst.

„Genau so ist es mit der üblen Nachrede und den Verleumdungen. Einmal ausgestreut, fliegen sie in alle Richtungen – wir wissen nicht wohin. Wie willst du also wieder alle über mich verbreiteten Gerüchte zurücknehmen?“

 

Verfasser unbekannt

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