Liebe heilt

Liebe ist sehr einfach. Sie ist so einfach wie ein „Ja“ – das Mantra des offenen Herzens.

Wenn eine Mutter liebevoll ihr Kind betrachtet, sagt sie Ja zum Sein ihres Kindes. Ihr Ja bestärkt das Kind darin, dass es nicht nur sein Recht ist, hier zu sein, sondern dass seine Existenz eine Freude ist.

Darum lieben wir es, geliebt zu werden!

Es gibt nichts Unterstützenderes in unserem Leben, als mit jemandem zusammen zu sein, der uns vermittelt: „Ja, ich schätze und akzeptiere dich; ich geniesse deine Gegenwart, und ich ermutige und unterstütze dich darin, so zu sein, wie du bist.“

Das ist die Botschaft der Liebe, und darum heilt Liebe.

Wenn wir um unserer Selbst willen geliebt werden und nicht, weil wir uns auf bestimmte Weise verhalten, dann lädt uns diese Liebe ein, lebendiger zu werden und mehr von uns selbst auszudrücken und zu leben.

Die Liebe weckt uns, um uns zu uns selbst zu führen. Unsere Sinne erwachen, und wir schmecken, sehen, hören und riechen plötzlich viel intensiver – wir lassen uns wieder berühren durch das Leben.

Diese Berührung hat wohl die grösste Auswirkung auf uns. Wir werden nicht nur auf unserer Hautoberfläche berührt oder an der Muskulatur – Liebe berührt uns bis zum Kern unseres Wesens.

Sie berührt damit aber auch all unsere Verwundungen. Wir kommen nicht mehr umhin, unseren Schmerz, unsere Wut, unsere Ängste, unsere Trauer, unsere Qualen und unsere Verzweiflung zu spüren.

Doch die Liebe sagt: „Es ist in Ordnung – in allem, was du erfährst, bist du schön. Erlaube dir, alles zu fühlen. Lass es zu einem Teil deines Liedes werden! Du bist hier, um dein Lied zu singen und deinen Tanz zu tanzen. Auch wenn dein Lied und dein Tanz schwere und traurige Themen haben mögen – verleugne und unterdrücke sie nicht.“

Es ist unvermeidlich, dass uns der Weg zur Heilung durch Liebe zuerst den Gefühlen näher bringt, mit denen wir am wenigsten zu tun haben wollen. Deswegen kann sich Liebe so gefährlich anfühlen.

Wenn wir uns eine Zeit lang immer weiter von der Liebe berühren lassen, öffnen wir uns nach und nach den subtileren und tieferen Seins-Zuständen.

Die Liebe lädt uns ein, weiter zu gehen.

An einem gewissen Punkt bemerken wir, dass unsere Fähigkeit des Erlebens unendlich gross ist.

Wir öffnen uns der Grenzenlosigkeit  unserer Gefühle und unserer Lebenserfahrungen, und all dies kann nur hier und jetzt geschehen, in diesem Augenblick.

Wir können nicht die Vergangenheit erleben, wir erinnern uns nur an sie.

In der Gegenwart zu sein, bedeutet auch, ausserhalb der Zeit zu stehen.

Wir treten aus ihr heraus, hinein in die Ewigkeit des Augenblicks – und erkennen plötzlich, dass wir nicht mehr getrennt sind von allem, was da ist.

Alles eins, allein – nicht einsam!

Einsamkeit ist ein Zustand des Getrennt-Seins von uns selbst und daher auch von allem, was ist.

Alleinsein heisst, offen zu sein für alles, was wir sind, und demzufolge auch erwacht zu sein gegenüber allem, was ist, hier und jetzt.

All dies zu sein, heisst zu lieben, denn die Liebe ist das Ja zum Leben in all seinen Formen.

Unser Weg zur Heilung bringt uns in Kontakt mit der Liebe – egal, wie sehr wir verletzt wurden.

Liebe heilt uns nicht nur, sie macht uns zu Heilern.

Zu liebenden Menschen, in deren Gegenwart sich andere geliebt und eingeladen fühlen, ihr eigenes Wesen zu öffnen und so am Ende selbst in Liebe zu leben.

Das ist es, was ich an diesem ganzen Weg am eindrucksvollsten finde: Wenn wir uns schliesslich dem Geschenk unseres Seins hingeben – der Einheit von Körper, Herz, Geist und Seele – und dabei erfahren, was es heisst, zu lieben und geliebt zu werden, entdecken wir, dass das Lieben sogar noch schöner ist als das Geliebt-Werden!

Das liegt daran, dass wir beim Geliebt-Werden abhängig sind von denen, die uns lieben.

Ihre Liebe lässt uns blühen und gedeihen – wir brauchen sie dafür.

Wenn jedoch die Liebe, die wir erfahren, uns für das reine Sein öffnet, erkennen wir, dass wir diese Liebe sind.

Es ist dann immer noch schön, von jemandem geliebt zu werden – aber jetzt ist es auch unsere eigene Liebe.

Selbst in finsteren Momenten, die es weiterhin geben kann, wird uns die Liebe zuflüstern, dass es in Ordnung ist, so zu fühlen, dabei zu bleiben, zu vertrauen.

Zu akzeptieren und alles einzubeziehen, was es gibt – weil es existiert.

Das ist für mich die Bedeutung der „Liebe Gottes“.

Es ist unsere Heimkehr zu der Erkenntnis, dass unser Hiersein LIEBE bedeutet.

Und das ist die Natur der Unendlichkeit.

 

Alan Lowen

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