Neun Kühe

Es waren einmal zwei Freunde, die sich einen Traum erfüllen wollten: nämlich mit einer kleinen Segelyacht die Erde zu umsegeln.

Sie starteten guten Mutes und alles lief sehr gut. Von Zeit zu Zeit liefen sie Hafen oder kleinere Inseln an, um Wasser und Lebensmittel aufzunehmen.

Als sie bereits viele Wochen unterwegs waren, kamen sie zu einem Eingeborenen-Stamm. Der Empfang und die Gastfreundlichkeit waren so großartig, dass die beiden entschieden ein paar Tage Pause einzulegen und zu bleiben.

Einer der beiden Freunde, Thomas, wurde auf eine Frau aufmerksam und konnte seine Augen nicht wieder von ihr abwenden. Schnell war klar, dass die Sympathie beidseitig war. Thomas hatte nur noch die Frau im Kopf und schwärmte seinem Freund vor wie attraktiv und strahlend sie wäre und dass er nie eine schönere Frau gesehen hätte. Er war völlig verrückt vor Liebe. Sein Freund versuchte ihn auch auf andere, noch schönere und strahlendere Frauen aufmerksam zu machen, aber nichts funktionierte. Und schließlich beschloss Thomas dieser Frau einen Heiratsantrag zu machen.

Nun war es bei dem Eingeborenen-Stamm üblich den Häuptling um die Hand einer Frau aus dem Stamm zu bitten und den Brautpreis festzulegen. Je nach den Qualitäten der Frau – Aussehen, Kochkünste, Wissen im Bereich Heilung, Fähigkeiten bei der Jagd, gebärfreudiges Becken, etc. – bewegte sich der Braut-Preis zwischen einer Kuh für eine Frau mit wenig Qualitäten und neun Kühen für eine Frau mit maximalen Qualitäten – der perfekten Frau schlechthin. Noch nie hatte es in der Stammesgeschichte diesen Braut-Preis für eine Frau gegeben. Und obwohl noch nie ein Fremder in den Stamm eingeheiratet hatte, willigte der Häuptling in die Hochzeit ein und legte den Braut-Preis auf drei Kühe fest.

Da sagte der Bräutigam: „Wie… nur drei Kühe? Schau Dir diese Frau doch an! Sie ist auf jeden fall neun Kühe wert. Ich zahle neun Kühe.“ Das irritierte den Häuptling und er erklärte, weshalb die Frau nur drei Kühe wert sei: „Sie gehört nicht zu den Schönsten im Dorf. Ihr Jagd-Geschick lässt sehr zu wünschen übrig und sie kann weder gut kochen noch ist sie sehr ordentlich.“

Doch Thomas blieb stur und sagte: „Ich zahle neun Kühe.“ Der Häuptling war noch nie mit einer solchen Situation konfrontiert und berief den Ältesten-Rat ein. Nach langen Diskussionen beschloss dieser, dass der Mann die neun Kühe bezahlen darf. Die Hochzeit war ein rauschendes Fest und am Tag danach segelte der Freund von Thomas weiter, mit dem Versprechen nach ein paar Jahren wieder zu Besuch zu kommen.

Fünf Jahre später, legte ein Yacht am Steg des kleinen Dorfes an und der, Mann, der von Board ging, war ganz aufgeregt seinen Freund Thomas wieder zu treffen.

Die erste Frau, die er sah, war eine unglaublich attraktive Frau, mit einem kleinen Kind auf dem Arm. So strahlend und schön – die attraktivste Frau die er je zuvor gesehen hatte. Vor lauter Ehrfurcht traute er sich gar nicht, sie anzusprechen.

Er fand seinen Freund, der ihn unter Jubel willkommen hieß und ihm ein köstliches Essen vorsetzte. So gut hatte er noch nie gegessen. Das Fleisch war zart. Die Hütte war wohnlich eingerichtet, stilvoll und versprühte eine heimelige Atmosphäre. Und Thomas erzählte, dass seine Frau die Königin der Jägerinnen ist und bald sein zweites Kind gebären würde.

„Du hast sie ja schon gesehen“, sagte Thomas. „Unten am Steg.“

„Das war nicht deine Frau“, sagte sein Freund. „Die Frau dort unten war die schönste Frau, die ich je gesehen habe.“

Und während er das sagte, kam sie zur Hütte und er erkannte sie voller Staunen: „Was um alles in der Welt ist der Grund, dass du dich so radikal verändert hast?“, fragte er sie.

Sie lächelte ihr wunderschönstes Lächeln und sagte: „Mein Mann hat neun Kühe für mich bezahlt und behandelte mich jeden Tag unseres gemeinsamen Lebens so großartig, wie es nur eine Neun-Kuh-Frau verdient. Also konnte ich gar nicht anders als mich in eine Neun-Kuh-Frau zu verwandeln. Genau in die Frau, die er immer in mir sehen konnte.“

 

Regina Swoboda

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