Selbstliebe

Hast du schon einmal bemerkt, dass niemand so gnadenlos mit dir ist, wie du selbst?

Die Tatsache, dass du verletzt, vernachlässigt, missbraucht, gedemütigt oder einfach alleine gelassen wurdest, nicht dazu geführt, dass du dich unendlich liebevoll um dich selbst und deine Wunden kümmerst. Ganz im Gegenteil. Es hat dazu geführt, dass du dich selbst schlecht behandelst – chronisch – anstatt dich gut um dich zu kümmern und zu versuchen deine Wunden zu heilen.

Würdest du mit jemandem so sprechen, so umgehen, wie du mit dir selbst sprichst, dich selbst be- und verurteilst und kommentierst?

Einer deiner Hauptfeinde dabei ist meist dein Körper, weil du gerade durch oder über ihn sehr oft verletzt wurdest. Du hast gelernt deinen Körper zu verachten, abzulehnen, schlecht zu behandeln oder dir selbst sogar aktiv weh zu tun oder zu schaden.

Mir ging es jahrelang genauso. Ich habe den Anblick im Spiegel gehasst. Ich mochte nichts an mir. Ich fühlte mich wertlos. Und erst langsam habe ich verstanden, dass ich einen Krieg gegen mich selbst führe und dass ich diesen Krieg nicht gewinnen kann, ohne das sich selbst dabei leide und letztlich sterbe.

Ich habe immer mehr verstanden, dass mein Körper die einzige wirkliche Heimat ist, die ich in diesem Leben je haben werde. Mir ist klar geworden, dass ich mir selbst nicht entfliehen kann. Ich werde mit  mir alt werden und ich werde sterben.

Doch ich begann zu fühlen, was ich mir selbst jeden Tag antue. Denn ich begann, mir vorzustellen, wie es wäre, wenn jedes lieblose Wort gegen mich selbst eine Ohrfeige wäre. Wie wäre dann mein Leben? Wie würde ich mich dabei fühlen? Ich begann mir vorzustellen wie viele Ohrfeigen ich mir selbst jeden Tag gab. Kein Wunder, dass ich so wenig Lebensfreude hatte und so traurig war!

Ich habe mehr und mehr verstanden, dass ich mich genau so behandle, wie mich damals mein Umfeld behandelte. Dass ich immer noch das Gefühl von Wertlosigkeit und „falsch sein“ in mir hatte, das ich durch mein Umfeld gelernt hatte.

Doch ich erkannte auch, dass dieses Umfeld heute keine Macht mehr über mich hat. Und ich hörte auf, dem Werturteil von Menschen zu folgen, von denen ich – wenn ich sie einfach so kennen lernen würde – sicher keinerlei Ratschläge über das Leben annehmen würde.

Ich fing an, die Gnadenlosigkeit zu fühlen, mit der ich mit mir selbst umging. Ich begann, liebevoll und gnädig, gütig und verständnisvoll mit mir selbst zu sein.

Ich bemühe mich auch heute noch darum, mit selbst so viel Liebe zu geben, wie mir eben gerade möglich ist.

 

Verfasser unbekannt

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