Vertraue deinem Schmerz

Ich bin wie du. Ich mag es nicht, wenn mein Körper schmerzt.

Noch weniger, wenn mir meine Seele zuerst ungeliebte Gäste, Trauer, Schmerz oder Ohnmacht sendet, um mich an etwas Heiliges zu erinnern, was ich auf der Reise durch diese Welt vergessen habe.

Ich mag keinen Schmerz. Du wahrscheinlich auch nicht.

Unser ganze Gesellschaft basiert im Grunde genommen auf Schmerzvermeidung. Noch mehr arbeiten, noch eine Pille, nochmal den Partner wechseln…

Doch der Schmerz unseres Körpers ist kein Fehler. Es ist pure Lebensintelligenz, die unsere Aufmerksamkeit auf eine wichtige Baustelle erzwingt.

Genauso wenig der Schmerz unserer Seele. Er zieht uns nach innen.

Warum diesem weisen Arzt nicht vertrauen? Warum ihm nicht dein JA! schenken!

So mutig sein, dich dem Schmerz nüchtern – ohne Selbstmitleid – voll hingeben. Ihn nicht mehr als deinen Gegner, sondern deinen Lehrer betrachten. Nicht mehr als das Ende, sondern einen Beginn.

Etwas muss sterben, damit DU – etwas größer, wacher, weiter, freier – geboren werden kannst.

JA! zum Schmerz zu sagen, bedeutet nicht, ihn ewig aushalten zu müssen.

Das eine Extrem ist die Unterdrückung des Schmerzes aus der Nichtbereitschaft, dich mit seiner Botschaft auseinanderzusetzen.

Das andere Extrem ist das Aushalten, Dulden, ja regelrecht daran gewöhnen – dann wird der Schmerz zur bestimmenden Realität.

JA! zum Schmerz zu sagen bedeutet an dem Punkt der Hingabe zu stehen.

Hingabe ist nicht das selbe wie Aufgabe. Aufgabe lässt uns in etwas Altem versacken. Hingabe führt uns in das Neue.

Ich weiß, es klingt einfach, doch es ist oft nicht leicht. Doch wenn es dich gerade betrifft, möchte ich dir gerade liebevoll und leise zurufen:

Vertraue dir. Vertraue deinem Schmerz.

Lass dich von ihm führen. In die Freiheit.

 

Veit Lindau

weise-worte-407

Weitere Artikel