Vom Opfer zum Schöpfer

Der Sinn des Lebens liegt in der vollen Entfaltung meines wahren Wesens im freien Fluss meiner Lebensenergie (körperlich, seelisch, geistig); also darin, mein ganzes Potenzial von Fähigkeiten, von schöpferischer Kraft, von Lebensfreude und Liebe, optimal zu entwickeln und es einzusetzen, um das Wirken von Kreativität, Freude und Liebe allgemein zu fördern.

Die materielle Welt spiegelt das Bewusstsein der Menschen, die sich darin heimisch gemacht haben. Meine Lebensumstände sind das Ergebnis des Wirkens meiner Bewusstseins-Strukturen und Denkprogramme, die ich mir aufgrund tief greifender Erfahrungen in meiner Vergangenheit selbst gebildet habe.

Die meisten dieser Denkprogramme entsprechen jedoch nicht der objektiven Wahrheit der jeweiligen Hier-und-Jetzt-Situation, sondern sind geprägt von unbewältigten frühen Kindheitserfahrungen und damit verknüpften heftigen Emotionen, mit denen ich als Kind in meiner Hilflosigkeit reagierte. Sie sitzen seither – obwohl selten bewusst gefühlt – im Körper „fest“ und wirken zusammen mit den entsprechenden von mir selbst gebildeten Vorstellungen über mich und die Welt auf solche Weise, dass sie meine Wahrnehmung beeinflussen (Filter) und ich mein Handeln gewohnheitsmäßig nach diesen Denkprogrammen ausrichte.

Dadurch blockiere ich mich immer wieder selbst und halte mich davon ab, mein wahres Wesen mit meiner ureigenen Liebe, Lust und schöpferischen Kraft zu entfalten und mein Leben im Hier und Jetzt optimal zu gestalten. Es entsteht ein Kreislauf, indem die unbefriedigenden Ereignisse meiner Handlungen wiederum zur Bestätigung werden für meine Denkprogramme, die in Wahrheit als Sich-erfüllende-Vorhersagen wirken.

Beispiele für verbreitete, einschränkende Denkprogramme sind:

  • Das Leben ist ein Kampf, Leiden, Mühsal,…
  • Das Leben ist voller Gefahren. Ich kann es nicht verändern.
  • Es ist nicht recht, das Leben zu genießen, wenn es anderen schlecht geht.
  • Ich bin hilflos, schwach, zu klein,…
  • Ich mache alles falsch.
  • Ich muss perfekt sein, sonst werde ich nicht geliebt.
  • Niemand liebt mich. Ich bin verlassen und allein.

Da diese Denkprogramme sehr oft nicht bewusst sind, machen wir andere Menschen bzw. Umstände außerhalb des eigenen Einflussbereiches für unsere Lage verantwortlich. So können wir uns als Opfer fühlen und uns vor der Verantwortung für das Leben drücken. In Wahrheit machen wir uns freiwillig zum Opfer der freiwillig gewählten einschränkenden Denkprogramme und blockieren uns selbst, in dem wir die Lebensenergie ständig in fruchtlosen Kampf und Abwehr einsetzen.

Da ich mich selbst für meine Denk- und Handlungsmuster entschieden habe, habe ich auch jederzeit die Möglichkeit, mich für das genaue Gegenteil zu entscheiden und auf meinem unbefriedigenden Lebensweg innezuhalten und umzukehren.

Diese Umkehr bedeutet den Schritt

  • vom sich getrennt und verletzt fühlenden Opfer, in Schuld und Angst verspannt, von Gefühlen und Leiden bedroht, in Mühsal kampfbereit reagieren
  • zum sich eins und geborgen wissenden Schöpfer, erlöst in die Liebe sich spürend, in Klarheit und voll Vertrauen sein Leben aktiv gestaltend und genießend.

Dies ist verbunden mit einer bewussten Umprogrammierung der Denkstrukturen; d.h. dass ich die Gegenstände meiner bisherigen Aufmerksamkeit (hier die alten Denkprogramme) aus dem Blickfeld entlasse und stattdessen meine volle, ungeteilte Aufmerksamkeit etwas bestimmten Neuen zuwende, das die Entfaltung des mir bislang versperrten schöpferischen Potentials in mir fördert.

Dieser Umkehrprozess kann in folgenden Schritten wirksam und sinnvoll geschehen:

  1. Klarwerden über das, was jetzt tatsächlich ist. Erkundungen meiner einschränkenden Denkprogramme, sowie genaue Formulierung dieser. Z.B. „Ich muss immer perfekt sein.“
  2. Anerkennen des Seienden, insbesondere meiner damit verbundenen Schmerzen, Einschränkungen. Bekenntnis zu meiner Verantwortung dafür. Z.B. „Ich nehme meine Vergangenheit und Gegenwart mit all meinen Einschränkungen in Liebe an und bekennen mich dazu, sie selbst erwählt und danach gehandelt zu haben.“
  3. Loslassen und Vergebung. „Ich lasse meine selbst erwählten einschränkenden Denkprogramme bewusst los und all die damit verbundenen Emotionen; d.h. symbolischer Tod der eingeschränkten Persönlichkeit und Neugeburt meines wahren Wesens mit seinem ganzen schöpferischen Potential. Ich vergebe mir selbst und den anderen, die mich verletzt haben. Dadurch erlöse ich mich selbst von der Last der Vergangenheit und mache mein ganzes Potential verfügbar für ein erfülltes Leben im Hier und Jetzt.
  4. Klare Neuentscheidung und Umorientierung zur Wahrheit durch Bejahung meines ureigenen Lebenspotentials. Bewusster Neuentwurf meiner Denkprogramme durch spezielle Bejahungen.

Es entsteht eine neue Lebens-Grundschwingung, die unabhängig ist von äußeren Umständen. Ich bin glücklich, weil Freude, Liebe, Kreativität mein wahres Wesen ausmachen und weil ich gemäß meiner wahren Natur fähig bin, auch widrige Umstände schöpferisch zu meistern. Und wenn wir uns darin mit anderen zusammentun, können wir auch auf die Gesellschaft einwirken, so dass das universelle Recht jedes Einzelnen auf Liebe, Freude und Kreativität anerkannt und allgemein gefördert wird.

 

nach Rainer Taeni

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