Von Himmel und Hölle

Ein Rabbi bat Gott: „Lass mich doch einmal einen Blick in den Himmel tun und in die Hölle!“

Gott erfüllte seinen Wunsch und sandte seinen Propheten Elijah als Führer.

Der Prophet führte den Rabbi in eine große Halle. In der Mitte brannte ein Feuer und wärmte einen Topf mit einem Gericht, das den ganzen Raum mit seinem köstlichen Duft erfüllte.

Um diese verheißungsvolle Speise waren Menschen versammelt, und ein jeder hatte einen langen Löffel an seine Hände gebunden.

Doch sie sahen hungrig aus, grau, fröstelnd, hinfällig. Denn die Löffel waren viel länger als ihre Arme, so dass sie ihren Mund damit nicht erreichen konnten.

Freudlos und missgünstig schweigend schauten sie mit leeren Augen vor sich hin.

„Welch seltsamer Raum war denn das?“ fragt der Rabbi den Propheten.

„Die Hölle“, sagte Elijah.

Der Prophet führte ihn nun in einen anderen Raum.

Oder war es der gleiche?

Alles sah ganz genauso aus: Der Kessel mit der duftenden Köstlichkeit über dem Feuer, die Menschen rund um den Herd, die gleichen überlangen Löffel.

Doch die Menschen aßen. Sie sahen glücklich aus, gesund, zufrieden, voller Leben. Fröhliches Stimmengewirr und herzliches Lachen erfüllte den Raum.

Der Rabbi fragte verwundert: „Elijah, wie kommt es, dass die Menschen in diesem Raum so zufrieden und glücklich sind?“

Der Prophet sagte zum Rabbi: „Sieh genau hin!“

Und der Rabbi sah, dass sich die Menschen in diesem Raum einander zuwandten. Jeder benutzte seinen riesigen Löffel, um einem anderen die Speise zu reichen. Jeder blieb besorgt, dass ein anderer satt wurde. Und so erhielt auch er selbst sein Essen, konnte satt werden und genießen.

„Ich weiß, wo wir hier sind!“, sagte der Rabbi.

Elijah lächelte und sagte: „Ja, so sieht der Himmel aus.“

 

aus Russland

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